Die hohe Kunst der Wanderbeschilderung

Die Wanderwegkonzepte der österreichischen Bundesländer bieten gute Richtlinien. Potential birgt deren bedarfsorientierte Umsetzung!

Die 750 km Wanderwegerhebungen in den vergangenen 5 Monaten haben mir wieder gezeigt wie unterschiedlich die Qualität der Beschilderung von Wanderwegen in Österreich ist. Die Wanderwegkonzepte der österreichischen Bundesländer bieten gute Richtlinien für eine einheitliche Gestaltung. Die Erfüllung der formalen Kriterien ist jedoch für ein perfektes Wandererlebnis zu wenig. Erst wenn die grundsätzliche Funktionalität des Orientierungssystems verinnerlicht wurde, beginnt es sein Potential zu entfalten.

Mit den folgenden Punkten möchte ich diesbezüglich zum Nachdenken anregen:

Gelbe Wegweiser
Seit 1997 läuft eine Initiative, um den Ostalpenraum einheitlich zu beschildern. Darauf basieren die Beschilderungskonzepte der Alpinen Vereine und großteils auch die Wanderwegkonzepte der österreichischen Bundesländer. Die auffällige Farbgestaltung erleichtert dabei das Erkennen von Wanderschildern über größere Distanzen. Mittlerweile werden diese gelbe Wegweiser im Alpenraum intuitiv mit „Wandern“ verbunden. Das heißt, der Wandergast hält nicht nur aktiv danach Ausschau, sondern die gelben Schilder vermitteln unbewusst auch Wanderkompetenz. Diese Marketingwirkung bietet vor allem im Dorfkern und an gut frequentierten Straßen neue Ansätze.

Wegweiser, Markierungen und Standortschilder
Wegweiser zeigen Richtungsänderungen an. Dazwischen klären Markierungen Kreuzungen ohne Richtungsänderungen und bieten zudem psychologische Bestätigung, noch am richtigen Weg zu sein. Orientierungssicherheit entsteht jedoch erst durch die abgestimmte Kombination von Wegweisern und Markierungen! Besonderes Potential bieten Standortschilder. Sie zeigen nicht nur das Erreichen eines Zieles an, sondern erleichtern auch den Abgleichen zwischen Landkarte und Gelände. Wichtig: wurde auf einem Schild eine Zielbezeichnung gestartet, muss diese bis zum Erreichen des Zieles durchgehend angeführt werden.

Sowenig Wegweiser wie möglich, soviel wie notwendig
In Hinblick auf das Landschaftsbild und natürlich auch auf die Kosten sollten nur so viele Wegweiser wie wirklich notwendig eingesetzt werden. Dabei birgt die richtige Standortwahl der Steher sehr viel Potential – im Idealfall klärt ein Steher alle Wegrichtungen! Als Grundanforderung sollten auch die Schilder aus dem Kreuzungsbereich heraus lesbar sind. Markierungen sind besonders sensibel. In der Praxis wird überschwängliches Markieren ohne zusätzlichen Informationsgehalt oft als erlebnisschmälerndes „Graffiti“ wahrgenommen. Zudem sollten sowohl Wegweiser als auch Markierungen so positioniert werden, dass diese beide Gehrichtungen bedienen können.

Leitwanderwege
Bei Leitwanderwegen macht es Sinn das Marken-Erlebnis durch ein eigenes Schilderdesign zu unterstützen. Eine Anlehnung an das jeweilige Landeskonzept stärkt dabei nicht nur die Marke, sondern nutzt auch bereits erlernte Wandergewohnheiten. Dem Design der Markierungen ist, in Hinblick auf die technische Umsetzbarkeit besonderes Augenmerk zu schenken!

Pflegezustand
Der Pflegezustand der Wanderschilder und der dazugehörigen Markierungen vermittelt unbewusst die gefühlte Wanderkompetenz einer Region. Hier zeigt sich in der Praxis deutlich: einen Wanderweg zu beschildern ist eine Sache, ihn auch zu erhalten ist eine andere. Es gilt eindeutig „Klasse vor Masse“! Vor allem erlebnisarme Wege(-varianten) sollten mit diesem Hintergrund neu überdachte werden.

Wanderaffine Akteure
Die Praxis zeigt klar, dass die bedarfsorientierte Umsetzung sehr stark von der Wanderaffinität der Akteure abhängt. Vor allem das Markieren erfordert viel Fingerspitzengefühl. In Hinblick auf ein optimales Ergebnis und des Investitionsschutzes sollte die Auswahl der Akteure mit viel Bedacht durchgeführt werden!

Fazit: Einen Wanderweg in eine Gehrichtung zu beschildern ist eine Kunst. Einen Wanderweg in beide Gehrichtungen richtig zu beschildern ist eine hohe Kunst!

Hier einige Fotos aus der Praxis:

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