Apps, die Lösung für Orientierungsmängel?

Zahlreiche Workshops der vergangenen Monate haben gezeigt, dass Apps für Smartphones und Tablets immer öfter als Universallösung für lückenhafte Orientierungssysteme betrachtet werden. Ein Trugschluss!

In den letzten Monaten bildete neben der markenkonformen Produktentwicklung die Optimierung regionaler Wanderleitsysteme einen Schwerpunkt. In den Workshops zu diesem Thema kam ein interessantes Faktum zutage:  Immer mehr Tourismusmanager wie auch Wanderwegwarte sehen in Navigations-Apps die Lösung für mangelhafte Wanderorientierungssysteme. Aussagen wie „… die Wanderer verwenden heute sowieso Apps oder zumindest GPS-Geräte … die Beschilderung ist somit nicht mehr so wichtig …“ waren des Öfteren zu hören.

Hier einige Überlegungen aus der Praxis, die diese These zumindest überdenken lassen:

* Ein erfolgreiches Orientierungssystem muss in sich schlüssig sein und stringent umgesetzt werden. Nur so kann der Gast das System „erlernen“ und sich dann entspannt durch den Erlebnisraum bewegen. Sprich, wenn Wegweiser angeboten werden, müssen diese selbstverständlich durchgängig zum Ziel führen. Fehlen innerhalb eines solchen Systems an einer Kreuzung die Schilder, kommt es zwangsläufig zur Frage: „Bin ich noch am richtigen Weg?“ Da hilft auch nicht der vor Ort unhörbare Verweis der Initiatoren, dass der Routenverlauf im Navigations-App klar ersichtlich ist!

* Navigations-Apps sind zwar auf den Smartphones der Gäste jederzeit verfügbar, der für die Ortsbestimmung unerlässliche Satellitenempfang jedoch nicht. Problematisch erweisen sich diesbezüglich in der Praxis vor allem enge Bergtäler, Querungen entlang hoher Felswände, dichte Wälder mit zahlreichen Kreuzungen, … Wer sich also nur auf die GPS-Unterstützung verlässt, trifft relativ rasch auf „weiße“ Flecken.

* Apps brauchen Strom – ganz besonders der GPS-Empfangsteil. Das kann bereits bei längeren Tagestouren zum Problem werden. Im Winter verstärkt sich dieser Effekt temperaturbedingt.

* Apps bieten wundervolle Möglichkeiten um das Markenversprechen einer Region erlebbar zu machen bzw. durch die Region zu führen. In Hinblick auf Wandern ist das jedoch zu hinterfragen. Erlaubt es doch, der digitalen Alltagswelt zu entfliehen und sich ganz auf die Natur, das Gehen an sich oder reale Freunde einzulassen. Wandern als digitale Auszeit!

Fazit: Apps bieten Vor- und Nachteile. Es gilt, sie gezielt einzusetzen und das Orientierungssystem ganzheitlich zu betrachten. Das gelungene Zusammenspiel von Web, Printmedien, Startplätzen, Wegweisern, Markierungen und Apps ist zweifelsohne der Schüssel zu einer kundenfreundlichen Orientierung, aber auch zur effektiven Kostensenkung für die Initiatoren. Kritischer Punkt: das ganzheitliche System muss in sich schlüssig sein und die einzelnen Medien in sich auch.
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