Fakten oder Emotionen?

Das Potential von Tourenbeschreibungen für Wanderungen wird landläufig stark unterschätzt. „Fakten oder Emotionen?“ diese Frage wurde mir in diesem Erhebungssommer mehrmals gestellt.

Der heurige Erhebungssommer war äußerst spannend. Ich durfte nicht nur zahlreiche herrliche Wanderungen begutachten, sondern auch sehr spannende Gespräche mit Wandertourismus-Verantwortlichen führen. Interessanterweise wurde mir in diesem Zusammenhang mehrmals eine Frage in Hinblick auf Tourenbeschreibungen gestellt: „Fakten oder Emotionen?“

Aus der Praxis
Die Praxis zeigt, dass aktuell die meisten Tourenbeschreibungen eher faktenlastig sind. Das heißt, die technischen Eckdaten (Länge, Gehzeit, Höhenmeter, …) und der detaillierte Routenverlauf („… an der Kreuzung zuerst rechts, dann links …“) werden vorrangig kommuniziert. Die Möglichkeit der aktiven Erlebnisvermittlung, vor allem im Sinne der regionalen Marke, wird hingegen kaum genutzt. Schade, denn gerade hierin schlummert enormes Potential!

Drei Grundsatz-Überlegungen
1. Wandern ist ein langjähriger Trendmarkt. Und immer mehr Tourismusregionen springen auf diesen Zug auf. Eine gute Wanderinfrastruktur reicht darum heute nicht mehr für eine Differenzierung – das individuelle Regions(marken)erlebnis zählt!

2. In Wanderregionen ist üblicherweise ein kaum überschaubares Wanderwegangebot vorhanden. Damit stellt sich für den Gast zwangsläufig die Frage nach den für ihn interessantesten Touren.

3. Wenn ein detaillierter Routenverlauf beschrieben werden muss, liegt meist ein grundsätzliches Problem im Beschilderungssystem des Wegenetzes vor.

Der leitideeorientierte Ansatz: Erlebnis ist Trumpf!
Im Fokus einer Tourenbeschreibung sollte somit ganz klar das besondere Landschaft-, Kultur- und Geherlebnis einer Wanderung – kurz deren Faszination – stehen. Zum einen um Begehrlichkeit zu schaffen, zum anderen um gezielt Erlebnisse zu starten. Dazu muss man wissen, dass Erlebnisse nur dann stattfinden, wenn diese im Kopf gestartet wurden. Klassischerweise geschieht dies über Infotafeln vor Ort. Dass gerade Tourenbeschreibungen diesbezüglich großes Potential haben, wird leider oft übersehen. Die Vorteile liegen auf der Hand: keine Eingriffe in die Landschaft, keine zusätzlichen Investitions- und Wartungskosten.

Erlebnisorientierte Tourenbeschreibungen helfen obendrein dem Gast beim Erkennen von für ihn interessanten Wanderungen. Erst im zweiten Auswahlschritt sind deren konditionelle und gehtechnische Anforderungen wichtig.

Für Querdenker: Clevere Wanderregionen integrieren das Markenversprechen der Region in das besondere Tourenerlebnis. So wird aus einer solitären Wanderung ein Bestandteil des regionalen Markenerlebnisses. Ein Gewinn für die Tour und die Region!

Fazit: Sowohl Fakten als auch Emotionen sind für eine animative Tourenbeschreibung notwendig. Das Erlebnis schafft Begehrlichkeit, die Fakten liefern Informationen über die Machbarkeit. Im Fokus sollte jedoch ganz klar der besondere Erlebniswert stehen!
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